adato 2|12 - klein aber fein
Michele de Lucchi
Im Showroom von Ingo Maurer herrscht dichtes Gedränge. Am Eröffnungsabend einer Ausstellung, die den Auftakt einer Reihe geben soll, kündigt der Herr des Hauses den Stargast an: „Schon in seiner Arbeit ist er groß - und als Mensch ist er ein ganz Großer!“. Dieser allerdings drückt sich auch gern mal im Kleinen aus: Der italienische Designer Michele de Lucchi präsentiert eine Reihe selbst gefertigter Holzhäuschen, die er architetturine nennt - kleine Architekturen oder „Architekturchen“, so die direkte Übersetzung.

Soviel vorweg: Die rund fünfzehn Exponate zeigen, was Gestaltung kann, sofern man sie von den Funktionen des Alltags befreit. Niedlich kommen die zwischen 25 und 60 Zentimeter hohen Miniaturen jedoch nicht daher. Vielmehr feiern die Modelle den Werkstoff Holz an sich, auf eine ruhige, besinnliche Art. Einzigartig wirken sie, archaisch und lebendig, wie Illustrationen aus einer anderen Welt, auf jeden Fall aber individuell und herrlich unperfekt. Wenn man überdies, wie de Lucchi, bildhauerisch vorgeht und damit auf schematisierte Produktionsabläufe verzichtet, bringt das die Texturen der Hölzer erst recht zur Geltung.

Die Idee dazu hatte der Italiener beim Bleistiftanspitzen mit dem Taschenmesser. Das machte dem studierten Architekt schlichtweg Spaß, so dass er in seiner Freizeit daran ging, mit der Kettensäge diverse Baumstämme - aus Eiche, Kirsche, Birke oder Olivenholz - zu bearbeiten, eine Technik, die die Spuren ihres Entstehungsprozesses offen legt. Hinter diesen experimentellen Studien stand der Wunsch, sich einmal ganz ohne konkreten Auftrag mit architektonischen Formen beschäftigen zu können.

„Es sind nicht unbedingt Häuser, die gebaut werden sollen. Ich habe sie nicht gemacht, um Häusern weitere Häuser hinzuzufügen. Ich denke immer wieder darüber nach, warum ich sie mache und warum sie - klein und schief - schön sind, aber hässlich wären, wenn sie in realer Größe gebaut würden“, sagt der für seinen wilden Rauschebart bekannte Gestalter. 1951 in Ferrara geboren, prägte er als Streitgenosse von Ettore Sottsass Bewegungen wie Alchimia und Memphis aktiv mit. Er arbeitete zehn Jahre als Designchef von Olivetti und ist der Design-Community als Gestalter des 1987 entworfenen Lampenbestsellers „Tolomeo“ bekannt. De Lucchi entwarf Leuchten und Möbel für führende Unternehmen Europas, neben architektonischen Großprojekten blieben jedoch stets auch handwerkliche Techniken in seinem Fokus.

„Holz ist wundervoll, weil jedes Stück anders ist, weil es auf schöne Weise altert, und weil es nachhaltig ist. Es ist schön, damit zu arbeiten, schön, es zu berühren, es ist einfach vertraut“, legt er dar. „Ich wollte immer so frei wie möglich arbeiten, wollte nie entweder Künstler oder Designer oder Architekt sein. Wenn ich nicht als Designer arbeiten würde, könnte ich auch nicht als Architekt arbeiten“, erklärt er sich, und fügt an: „Das Sägen und Schnitzen ist eine sehr metaphysische Arbeit, eine Zen-Aktivität. Ich verbringe jeden freien Tag in meinem Büro und versuche auf diese Art, neue Denkansätze oder Perspektiven zu finden.“ Von zwei Tagen bis zu zwei Monaten sitzt er dann an einem solchen Stück. Eine Arbeit, die wiederum in konkrete Produkte einfließt: Neben den Mini-Domizilen der Ausstellung beweist eine Reihe hölzerner Tabletts an der Wand ganz klar den Einfluss der frei erdachten „Architekturchen“. „Diese Tabletts sind ein Produkt - die Häuschen jedoch ein Werk meiner Hände, entstanden mit wenigen Arbeitsgeräten. Hier gerät jeder Schnitzer zu einem Vorteil!“, resümiert er verschmitzt.

Das eine geht bei de Lucchi also nicht ohne das andere. „Michele de Lucchi bringt Persönliches ein, auf eine sehr poetische Art“, sagt Ingo Maurer über ihn. Das verbindet die beiden Designgrößen. Und wir Zuschauer sind fasziniert vom Unperfekten, Nicht-Genormten, angezogen von malerisch krummen Linien und schießschartenartig wirkenden Fensterschlitzen.
Der Meister der Fuge - Zum Tode von Karljosef Schattner


Text: Ingeborg Flagge

chattner, der Diözesanbaumeister von Eichstätt, starb am 1o.April im Alter von 87 Jahren. Der in Gommern geborene Architekt studierte von 1949-53 an der TU München u.a.bei Hans Döllgast, einem Protagonisten der Einfachheit im Bauen, der sein Vorbild war.
Bei ihm lernte er, was Eichstätt, die kleine Stadt zwischen München und Nürnberg, die neben Bauten des Mittelalters vornehmlich durch den Barock geprägt wird, auf immer verändern und zum Mekka der Anhänger moderner Architektur machen sollte.
Schattner machte sich für seine Arbeit einen Ausspruch Paul Valérys zu eigen:“ Es ist wichtig, vor allem zu erreichen, daß das, was sein wird, mit der ganzen Kraft seiner Neuheit den vernünftigen Anforderungen dessen genüge, was gewesen ist.“ Und so legte er durch den oft radikalen, aber immer sensiblen Umbau wertvoller alter Bausubstanz eine Schicht zeitgenössischer Architektur in die kleinste Universitätsstadt Deutschlands, in das barocke Eichstätt, hinein, wie es sie in dieser Symbiose aus Alt und Neu in Europa nicht noch einmal gibt.
Für seine über zwei Dutzend ausgeführten Bauten, darunter Kirchen, Schulen, Kapellen, Bibliotheken, Institutsgebäude, Museen und eine Mensa u.a.m.hatte er über 3o Jahre lang nur einen Bauherrn, den Bischof von Eichstätt.
Nirgendwo sonst in Deutschland ist auf so engem Raum eine derartige Fülle herausragender, kompromisslos moderner Architektur realisiert, die eine so überzeugende Symbiose mit alten Bauten eingeht. Man fühlt sich an Carlo Scarpa und seine unnachahmliche Fähigkeit erinnert, die Wirkung historischer Bauten durch den kalkulierten Kontrast zeitgenössischer Formensprache zu steigern. Allerdings war einigen Denkmalpflegern Schattners radikaler und ästhetisch- intellektueller Dialog zwischen Alt und Neu stets eine Zumutung. Doch für alle Anhänger seiner mutigen Architektur ging mit seiner Pensionierung 199o ein einmaliges Experiment zu Ende, das als Zusammenarbeit von persönlichem Bauherrn und seine Baumeister früher so nur in der Renaissance und im Barock möglich war und das es heute nicht mehr gibt.
Schattens Architektur in Eichstätt folgt dem Grundsatz von Muthesius, „daß es vor den Augen der Nachwelt dem Geiste unserer Zeit am Besten entsprechen wird, wenn wir selbständige Werke statt historischer Maskeradenscherze hinterlassen“. Anpassung gehörte nie zu den Eigenschaften des Architekten, weder bei den Bauten noch ihren Details wie Türgriffen oder Treppenkonstruktionen. Ein starker, eigenständiger Neubau wertete nach Schattners Meinung auch die Qualität der benachbarten bzw.umgebauten Altbauten auf.
Daß dabei Gesamtkunstwerke herausgekommen sind, hat viele Gründe, nicht nur die seiner persönlichen Handschrift. Der Bauherr wohnte nebenan, auch der Architekt wurde täglich mit seinen Bauten konfrontiert. In einer so kleinen Stadt wie Eichstätt kann man seiner Architektur nicht entgehen. Hinzu kamen die aussergewöhnlichen Bedingungen für sein Bauen: der übliche Termindruck und das nackte Konkurrenzdenken, das den Markt sonst charakterisiert, fehlten hier. Darüber hinaus machte eine Domhütte mit eigenen Handwerkern, wie dies früher im Mittelalter möglich war, Experimente möglich. Was nicht gefiel, wurde erneut und anders probiert, falsche Entscheidungen durch Abriß und einen Neuanfang korrigiert.
Schattens Qualität liegt im subtilen und kontrastreichen Zusammenspiel von Alt und Neu. Wie er die Nahtstellen zwischen zeitgenössischer und historischer Architektur inszenierte und zelebrierte, das war hohe Kunst und machte ihn zu einem Meister der Fuge.
Zu einigen besonderen Materialien hat Schattner zeitlebens eine grosse Affinität gehabt. War es in den 7oiger Jahren der Beton, dessen raue Qualität er nackt gegen alte Bausubstanz setzte, war es später der Stahl. Dessen matte und polierte Oberfläche ergänzte er durch glattes Holz und rohes Steinmauerwerk oder Putzflächen. In der komplexen Einfachheit seiner Bauten und der Verwendung seiner Materialien näherte er sich am Ende seiner Tätigkeit der zeitlosen Qualität alter japanischer Architektur.
Mit ihm starb einer der grossen deutschen Baumeister, die sich noch voll auf ihr Werk konzentrierten und sich nicht täglich in Schriften und Auftritten profilieren mußten.



MÉCA to culture in Bordeaux


BIG + FREAKS freearchitects

Team BIG+FREAKS freearchitects, dUCKS scéno, Khephren Ingénierie, VPEAS, ALTO Ingénierie, Vincent Hedont, PBNL, Mryk & Moriceau, Ph.A wins the competition to design a new 12 000 m2 cultural center on the riverfront of Bordeaux, merging three cultural institutions into one single building.

The new Maison de l’Économie Créative et de la Culture en Aquitaine, MÉCA, located on the historical riverfront of Bordeaux will house three regional visual and performing arts agencies FRAC, the ECLA and the OARA in one single institution. The Regional Council of Bordeaux selected the winning team among proposals from SANAA, the Toulousebased firm W-Architectures and Bordeaux-based FLINT.

BIG’s proposal arranges the new center for contemporary art, the performing arts institution and the center for literature and movies around a public space open towards the city of Bordeaux and the Garonne River. The building is conceived as a single loop of public space and cultural institutions as the pavement of the promenade rises to form the roof of the main lobbies, ascends vertically along the stage tower of OARA, bridges across the promenade with the sky lit galleries of the FRAC and returns vertically to the ground at the archives of the ECLA in order to reunite with the waterfront promenade.

“When a region or a city invests millions in a major new cultural institution - it often ends up benefiting only the informed few that already have an interest in the arts. Not only does the MÉCA spill its activities into the public realm and the urban room, but the public is also invited to walk around, through, above and below the new cultural gateway. By inviting the art into the city and the city into the arts, the MÉCA will provide opportunities for new hybrids of cultural and social life beyond the specific definitions of its constituent parts.” Bjarke Ingels, Founding Partner, BIG.

The urban room allows everyday life of Bordeaux to flow through its generous frame along the promenade, injecting the art into the city and the city life into the building. The multiple ramps and stairs of the building create an institution that is publicly accessible and welcoming on the inside as well as the outside. The urban room and the informal seating of the stairs will make the MÉCA a lively place and a natural extension of the life along the Quai de Paludate street and the new promenade. During festivals or other special occasions in the city, the outside of the MÉCA can be transformed into a stage for outdoor concerts, theatrical spectacles or art installations.

“The urban room is at once a frame for the artwork, a stage for the performances, a screening room for the media collections and most perhaps most importantly an open room for the urban life of Bordeaux to invade and engage with the arts.”, Andreas Klok Pedersen, Partner-in-Charge, BIG.

Tailored to accommodate the proportions of the per- formance spaces, the backstage requirements, the archi- ves and the art galleries, the building is tailored to the needs and desires of its individual tenants while fused to form a single urban frame. The building and promena- de is clad in the limestone which constitutes the majori- ty of Bordeaux’s architecture. As if carved from the same material as the city itself – the stone is promenade and façade, stair and terrace, roof and ceiling all together.

“The three regional entities composing the program are idiomatic to the French public way of supporting and promoting culture all over the territory. Working on the MÉCA building in Bordeaux is a great occasion to cross views and balance between international references and local issues.” Guillaume Aubry, Cyril Gauthier & Yves Pasquet, Founding Partners, FREAKS freearchitects

10 Jahre adato Jubiläumsfeier
Kritiker sagten dem Architekturmagazin „adato“ eine kurze Lebenszeit vorraus. Sie sollten sich gewaltig irren. Am Montagabend feierten die Herausgeber das zehnjährige Bestehen des Magazins.

Schengen – Am Anfang stand der Wunsch der Architekturszene in Luxemburg eine eigene Plattform zu bieten. „Als ich mich mit dem Buch „Beton in Luxemburg“ beschäftigt habe, stellte ich fest, dass es im Großherzogtum und über die Grenzen hinaus kaum Publikationen zu diesem spezifischen Themenbereich gibt“, erzählt GG Kirchner. In einem Gespräch mit Marc Spautz, dem damaligen Direktor der Escher Polyprint- Druckerei wurde die – zunächst nicht ganz ernst gemeinte - Idee eines fachspezifischen Magazins geboren. Das war 2001. Im März 2002 erschien die erste von bis lang 40 Ausgaben.

Roter Faden

In erster Linie bietet das Heft eine Übersicht von architektonisch interessanten Projekten in der Region, und beschäftigt sich mit den Berufsstand relevanten Themen. „Auch wenn das Magazin bei uns im Haus (dem Architekturbüro Valentiny hvp architects) entsteht, wollen wir unsere Projekte nicht in den Vordergrund stellen. Besondere Projekte finden ihren Platz im Magazin“ erklärt GG Kirchner. Zusammen mit seinen Kollegen Torsten Altmeyer und Oliver Arenz ist er für den redaktionellen Inhalt verantwortlich. Das anfangs noch chaotisch zusammengestellte Heft reifte mit der Zeit zu einem durchdachten Magazin heran. Heute verbindet ein Thema die verschiedenen Projekte und führt wie ein roter Faden durch die Seiten. „Auch wenn es immer schwieriger wird, Themen zu finden“. In der nächsten Ausgabe wird sich alles um den Themenschwerpunkt „Klein aber fein“ drehen, und es werden Arbeiten vorgestellt, die dem Größenwahn Einhalt gebieten und sich auf das wesentliche konzentrieren.

Steigende Ansprüche

Mit dem Bekanntheitsgrad des Magazins sind die Macher zufrieden. „In Fachkreisen kennt man uns“. Einer der Gründe dafür ist die Zusammenarbeit mit den beiden Berufsverbänden, der „Fondation de l`architecture“ und dem „Ordre des architectes et ingenieurs-conseils“, die ihren Mitgliedern das viermal jährlich erscheinende Magazin zustellen, und so einen Teil der Auflage von 2000 Exemplaren an den interessierten Leser bringen. Alternativ wird das Magazin im Abo vertrieben. Für die Zukunft des Magazins hat man bereits Pläne. „Unser Anspruch wächst stetig. Das macht es uns nicht leichter.“ Konkreter möchte man die 2005 in Netz gestellte Website auffrischen. Zudem wünscht man sich, dass die Architekturbüros erkennen, von welchem Wert die Plattform ist, und ihre Projekte unaufgefordert einreichen. „Das würde uns das Leben leichter machen. Es ist manchmal ganz schön aufwendig an das benötigte Material heranzukommen“ so Kirchner.

www.revue.lu

Does Size really matter?
Das Land Luxemburg ist mit seinen 2586 Quadratkilometer vergleichsweise klein und wird deshalb von seinen Nachbarn gerne übersehen. Da in der Kleinheit aber auch die Stärken Luxemburgs liegen wurde uns 2008 – beim entwerfen des EXPO Pavillons empfohlen den Grundsatz „Small is beautifull too“ zu verfolgen – das sei für die Chinesen etwas neues. So konnte der Pavillon in einem Land in dem nichts klein erscheint, auf der größten EXPO aller Zeiten, viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es muss also nicht immer „bigness“ sein um als Architekt beachtet zu werden. Ein anderes, besonders gelungenes Beispiel dafür befindet sich auf dem Kirchbergplateau. Der Kirchberg Kiosk von Polaris Architects wurde nicht nur mehrfach veröffentlicht sondern gewann den Spezialpreis beim „Prix Luxembourgeois d’architekture“. Ein Beweis dafür, dass nicht nur die großen und spektakulären Projekte in den Focus der Betrachter fallen.

Viele Architekten und Designer wissen wie wichtig die richtige Maßstäblichkeit von Architektur bzw. Produkt im Verhältnis zum Mensch ist. Die Größe spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. So schreibt Jan Kaplicky in einem seiner Bücher (Confessions) „Alles ist Architektur, von der kleinsten Büroklammer, über eine Hütte, ein Wohnhaus, eine Kirche oder ein Museum bis hin zu großen Städtebauprojekten. Wichtig ist die Qualität, die Funktion und die Beziehung zum Menschen, der auf der Erde lebt, nicht die Größe des Projektes.

„Walt Disney meets Albert Speer“
Es ist die Künstlichkeit die oft bei den großen Projekten störend wirkt. Diese Gebäude bestehen aus Räumen, die von der Umwelt abgeschnitten sind, Licht und Klima müssen künstlich erzeugt werden.
In den Golfstaaten entstanden in den letzten Jahren Gebäude der Superlative. Den welthöchsten Wolkenkratzer hat man dort schon – nun ist der weltgrößte Flughafen in Planung. Aber wie kommt es zu diesem Größenwahn? In Europa lebte man zunächst in kleinen Häusern, später wurden sie mehrstöckig. Größere Gebäude waren fast immer sakralen Zwecken vorbehalten. Stets war ein Gebäude einer bestimmten Nutzung zugeordnet. Das änderte sich im 20. Jahrhundert als die Amerikaner das Hochhaus erfanden. Plötzlich gab es Gebäude die viele Aktivtäten und Funktionen gleichzeitig umfassen konnten. Seit dem werden kommerzielle Gebäude immer seltener für eine bestimmte Nutzung gebaut, sondern einfach so groß wie möglich. Man vertraut darauf, dass sich die Gebäude von selbst mit Sinn füllen. Zwischen 2008 und 2010 war mein Arbeitsplatz oft nicht größer als der Sitz in dem Flugzeug mit dem ich unterwegs war. Damals entstand die Idee zu dieser Ausgabe. Die Frage stellt sich zwangsläufig – wie viel Platz benötigt man wirklich. Reicht der Sitz im Flugzeug, der sich lediglich auf 80 cm Breite und 100 cm Tiefe bemisst?

Ausgestattet mit einem Tisch, einer Leuchte die sich individuelle verstellen lässt, genau wie Belüftung.

Der Sitz ist verstellbar, der Tisch nimmt ein Laptop, ein Skizzenbuch und ein Essenstablett auf. Dieser beengte Raum bot mir Privatheit, Kontrolle, Information, Unterhaltung, Komfort, Information und Inspiration.

Unwesentlich anders stellte sich die Situation im EXPO Büro, in der Shanghaier Wohnung oder auf dem Flughafen dar. Können wir heute Dank der Digitalisierung heute auf weniger Platz besser funktionieren?
Könnten wir in weniger Raum leben, arbeiten, Ferien machen, wenn wir dafür mehr Natur bekämen? Wären wir zufrieden mit mehr Erlebnis aber weniger Material?
Einer der wichtigsten Aspekt meines Studiums war das materialreduzierte entwerfen. Viele der Produkte die uns angeboten werden sind im Vergleich zum Vorgängermodell materialoptimiert.
Luxemburg gehört zu den Ländern die mehr Quadratmeter pro Kopf belegen. 15 m2 und größer sind die Büros in denen ein einziger Mensch mit einem Laptop, der gerade einmal 26 x 35 cm misst, arbeitet. Auch im Wohnungsbau liegt Luxemburg ganz vorne. In diesem kleinen Land beträgt die Pro Kopf Wohnfläche ca. 55 m2. In Deutschland liegt sie 8 m2 darunter.
Dass sich Architekten auch mit den vermeintlich kleinen Dingen des Lebens beschäftigen, zeigen die unzähligen Entwürfe für Stühle, Klinken oder gar Geschirr. Oft sind es die kleinen architektonischen Projekte die sich wegen ihrem überschaubaren Programms als Experimentierfeld für die architekturtheoretischen Diskussionen besonders eignen.

Text: GG Kirchner
Aufgänge Tiefgarage und Bushaltestelle auf dem Rathausplatz in Esch-sur-Alzette

Christian Bauer & Associes Architectes
Fotos: Andreas J. Focke

Die 3 Objekte sind Teil einer Gesamterneuerung des Rathausplatzes in Esch-sur-Alzette für die ein 2004 von der Stadt Esch en freiraumplanerischer Wettbewerb ausgelobt wurde Grundlage des Wettbewerbes war die schon erstellte Planung der Tiefgarage, die neu unter den Rathausplatz gebaut wurde um diesen von den bis dato dort oberirdisch parkenden Autos zu befreien.

Die Planung der Tiefgarage gab die Lage der Aufgänge auf dem Platz weitestgehend vor. Die Lage der Bushaltestelle wurde im Rahmen des Gesamtprojektes von der Arbeitsgemeinschaft Christian Bauer Associés, Latz + Partner und Pfarré Lichtdesign vorgeschlagen. Entwurfsziel war die Aufgänge so leicht, filigran und transparent wie möglich zu gestalten und dadurch ihre visuelle Präsenz auf dem Platz in Einklang zu bringen mit den anderen den Platz prägenden Elementen.Gleichzeitig sollten die 3 Objekte trotz ihrer unterschiedlichen Funktionen eine gemeinsame Formensprache erhalten. Für die Aufgänge aus der Tiefgarage war es insbesondere wichtig möglichst viel Tageslicht in das erste Untergeschoss bringen zu können. Für die Bushaltestelle bietet die Transparenz insbesondere eine Sichtbarkeit für Wartende wie Busfahrer bei gleichzeitigem Wetterschutz.

Gemeinsam mit dem Büro T6 Ney & Partners wurde eine Tragkonstruktion aus Edelstahl und Glas entwickelt. Die Dächer, bestehend aus einer Edelstahlwanne, ruhen auf schlanken Stahlstützen von 70 mm Durchmesser. Die elementhohen Glasscheiben sind statisch wirksamer Bestandteil der Tragkonstruktion. Die aussteifenden Elemente befinden sich in den dem Rathaus zugewandten Kopfbauten.

Besonderer Wert wurde auch auf die aus den umliegenden Häusern sichtbare Dachaufsicht gelegt. Edelstahlgitterroste decken die gesamten Dachflächen ab und verhindern gleichzeitig, dass Blätter, Müll oder andere hochgeworfene Objekte die Dacheinläufe verstopfen. Die Dachentwässerung läuft im inneren der Stützen. Der Dachrand wurde so ausgebildet, dass umlaufende Leuchtenbänder auf der Innenseite der Glaselemente abends die Kuben belichten.

Die dem Rathaus zugewandten Seiten der Tiefgaragenaufgänge beherbergen die Aufzüge und Lüftungstechnik. Sie sind mit einem Edelstahllamellengitter verkleidet, das ausreichend freien Querschnitt für die Lüftung garantiert. Eine Schiebtür aus demselben Lamellengitter erlaubt es abends die Abgänge in die Tiefgarage abzuschließen.
Wäschbuer Kundel
Architekten WEB Fotos: Steve Troes
Le projet est une réplique de l’ancien lavoir « Kundel », qui se trouve dans une ruelle au long de l’ancienne enceinte de la forteresse de la Ville de Grevenmacher. En outre une galerie avec des informations sur l’histoire de la Ville de Grevenmacher complète le projet. Le projet se trouve dans une petite grange ancienne d’une surface d’environ 20m2, reconstruite dans la tradition mosellane et faisant partie d’un sentier historique et culturel. Les différents éléments sont construits en acier « Corten », combinés avec des éléments en verre. L’acier brut est l’élément prédominant avec ses petits détails dans la façade et à l’intérieur. L’acier « Corten » a été choisi à cause de sa surface brute, sa longévité, et un montage facile à gérer pour ce site. Toute la statique de la structure en acier est indépendante. L’aménagement intérieur du lavoir est une réinterprétation de l’ancien site sur base de photos historiques.
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Norwegian Wild Reindeer Centre Pavilion
Snøhetta Oslo AS
Fotos: diephotodesigner.de
Ketil Jacobsen

The Norwegian Wild Reindeer Centre Pavilion is located at Hjerkinn on the outskirts of Dovrefjell National Park, overlooking the Snøhetta mountain massif.

The 90m2 building is open to the public and serves as an observation pavilion for the Wild Reindeer Foundation educational programmes. A 1,5km nature path brings visitors to the spectacular site, 1220 meters above sea level.

Background
Dovrefjell is a mountain range forming the barrier between the norther and southern parts of Norway. It is home to Europe’s last wild reindeer herds and is the natural habitat for many rare plants and animals, including Musk Ox and polar foxes. A long history filled with travellers, hunting traditions, mining, and military activities has left its mark on this land. In addition to the natural and cultural landscape, the Dovre mountains also holds significant importance in the Norwegian consciousness. National legends, myths, poetry (Ibsen) and music (Grieg) celebrate the mystic and eternal qualities of this powerful place. The founding fathers of the Norwegian constitution are ”agreed and faithful, until the fall of Dovre!”

Architectural idea
This unique natural, cultural and mythical landscape has formed the basis of the architectural idea. The building design is based on a rigid outer shell and an organic inner core. The wooden south facing exterior wall and the interior create a protected and warm gathering place, while still preserving the visitor’s view of the spectacular panorama.

Considerable emphasis is put on the quality and durability of the materials to withstand the harsh climate. The rectangular frame is made in raw steel resembling the iron found in the local bedrock. The simple building shape and use of natural materials reference local building traditions. However, advanced technologies have been utilized both in the design and the manufacturing process. Using digital 3D-models to drive the milling machines, Norwegian shipbuilders in Hardangerfjord created the organic shape from 10 inch square pine timber beams. The wood was then assembled in a traditional way using only wood pegs as fasteners. The exterior wall has been treated with pine tar while the interior wood has been oiled.

The pavilion is a robust yet nuanced building that gives visitors an opportunity to reflect and contemplate this vast and rich landscape.
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Susis Laube
Regina Baierl
Fotos: Michael Heinrich

Eine Laube im Garten. Bei jedem Wetter und trotz geringer Größe lädt sie zum Bleiben ein und erinnert an ein ländliches Haus: Fenster, Tür, Vordach, Vorplatz, Sitzbank.
Inspiration für die winzige Bank davor waren finnische Bauernhäuser, die selbst mit einem schmalen Brett einen Sitzplatz vor der Haustür anbieten. Zum Vorplatz gehört ein Vordach, zum Haus die Bank davor.
Das kleine Haus bietet einfach Schutz vor Hitze, Wind und Regen, ohne den Garten auszuschließen: man schlüpft hinein und es passt: nicht zu groß und nicht zu klein, geschützt vor dem Wetter, aber noch nahe daran.
Der Raum ist klein, aber groß genug.

Man sitzt in seinem Gehäuse – durch die vier Fenster zugleich auf Tuchfühlung mit den Blumen und Vögeln. Im Innern mag die Sitznische an einen Strandkorb erinnern und die tonnenförmig gewölbte Decke gibt auch im Stehen genug Platz. Die äußere Form bildet in verschiedenen Neigungen das Innere ab - bis zum auskragenden Vordach.
Das Erkerfenster und das andere tiefere Fenster schaffen zusätzliche räumliche Erweiterung und bieten Abstellfläche für Tee und Buch. Im Hochsommer weht ein Lüftchen durch die aufgeklappten Fenster.
Oder: Man sitzt vor dem Haus auf der Bank. Abends leuchtet der weiße Innenraum von weitem.

Die Laube wurde nicht nur von mir entworfen, sondern bis zum letzten Detail selbst gefügt – unter Verwendung gebrauchter Fensterelemente. Die weißen Rahmen und die Kopenhagengrüne Leistenschalung lassen an nordische Häuser erinnern – nicht nur mit den Augen, sondern auch durch die Nase, wenn man den feinen Duft der original schwedischen Leinölfarben einatmet.

Entwurf, Planung und Ausführung.
Regina Baierl, Architektin, München
Leinölfarben.
Ottosson Färgmakeri AB, Schweden
Juvet landscape Hotel
Jensen & Skodvin Architects>
Fotos: Jensen & Skodvin Architects

The Juvet Landscape Hotel is located at Valldal, near the town of Åndalsnes in north-western Norway. Passing tourists are attracted by a spectacular waterfall in a deep gorge near the road, ”Gudbrandsjuvet”. The client, Knut Slinning, is a local resident. The idea emerged as an opportunity to exploit breathtaking scenery with minimal intervention, allowing locations which would otherwise be prohibited for reasons of conservation.

Instead of the conventional hotel, with guest rooms stacked together in one large building, the Landscape Hotel distributes the rooms throughout the terrain as small individual houses. Every house has one or two walls that are entirely built in glass, thus the experienced space in each room is maximized. Through careful orientation every room gets its own exclusive view of a beautiful and unique piece of the landscape, always changing with the season, the weather, and the time of day. No room looks out at another so the rooms are experienced as private even though curtains are not used.

At the moment there are 7 rooms completed, but with the possibility to add 21 more rooms according to the master plan. All the rooms have slightly differing designs, as a result of local topographical needs and vegetation, and to maximize the requirements for privacy and the best possible views. No rooms necessitate blasting of rock or changing the terrain, as the rooms are added to the existing topography.

The rooms are built in a massive wood construction with no exterior insulation, and are intended for summer use only. Each building rests on a set of 40mm massive steel rods drilled into the rock, existing topography and vegetation left almost untouched. The glass is set against slim frames of wood, locked with standard steel profiles, using stepped edges to extend the exterior layer of the main glass surfaces all the way to the corners.

The interiors are treated with transparent oil with black pigments, so that reflections from the inner surface of the glass wall are minimized. Shelves, benches and a small table are all built by the same massive wooden elements to maintain a certain degree of monotony that goes well with the complex nature views and to keep the visual presence of the interior at a minimum.

Today’s concern for sustainability in architecture focuses almost excludingly on reduced energy consumption in production and operation. We think that conservation of topography is another aspect of sustainability which deserves attention. Standard building procedure requires the general destruction of the site to accommodate foundations and infrastructure before building can commence. Conserving the site is a way to respect the fact that nature precedes and succeeds man. Also, dutiful observation of existing topography produces a reading where the geometry of the intervention highlights the irregularities of the natural site, thus explaining both itself and its context with more power. A sustainable connection is established between structure and site.

The hotel has a planned opening this summer. A small spa is being built very close to the river, with two saunas and a massage room. It is inserted into the ground, but with glass walls towards the view towards the river and the mountains.

Structure:
The cabins are constructed from massive wood (85mm in the walls, 120mm in the roof and the floor), spruce, which shows on the inside (roof and walls). On the outside there is pine panel, treated with iron vitriol, which creates a chemical process on the surface of the wood that resembles ageing; the wood turns grey in a couple of months because of a reaction with the daylight.

Inspiration for the design:
We wanted to create rooms that does not have the conventional borders (the walls), but which has an experienced space that is as large as the landscape, may be three to four miles wide in this case. To create this we worked a lot with the windows so that as much as possible of the „bordering“ or „enclosing“ effect that a window and its framing usually gives were eliminated as small as possible. This is intended to give an effect of being in a large and grand landscape (not only looking at it), absolutely private, but also protected and warm.

Why the rooms are different:
We did not want to use dynamite, we wanted a project that could be removed without leaving scars in the landscape, and therefore we regarded the houses as guests on the site. Basically we discussed a lot what each single room should contain, all the rooms are slightly different because of the conditions on each plot, but with same basic services.

Architect. Jensen & Skodvin Architects
Area. 800 qm
Year Built. 2007 - 2009
Cost. 2 000 000 Euro
Tree Hotel in Harads
Tham & Videgård Arkitekter
Fotos: Åke E:son Lindman

A tree hotel in the far north of Sweden, near the small village of Harads, close to the polar circle.

A shelter up in the trees; a lightweight aluminium structure hung around a tree trunk, a 4x4x4 meters box clad in mirrored glass. The exterior reflects the surroundings and the sky, creating a camouflaged refuge. The interior is all made of plywood and the windows give a 360 degree view of the surroundings.

The construction also alludes to how man relates to nature, how we use high tech materials and products when exploring remote places in harsh climates (Gore-tex, Kevlar, composite materials, light weight tents etc).

The functions included provides for a living for two people; a double bed, a small bath room, a living room and a roof terrace. Access to the cabin is by a rope bridge connected to the next tree.

To prevent birds colliding with the reflective glass, a transparent ultraviolet colour is laminated into the glass panes which are visible for birds only.
Public Shelter
Gilles Kintzele Architecte

Sur une friche utilisée jadis comme parking sauvage à l’entrée de la localité touristique d’Esch-sur- Sûre, une place à multiples vocations a été aménagée avec abribus, Wc publics et stand de débit de boissons pour les fêtes locales. Vis-à-vis des vestiges du plus vieux château du pays, trois modules de volumes et formes désarticulés constitue un ensemble homogène grâce à l’utilisation du bois (mélèze) comme revêtement unique tant en façade qu’en toiture. Le langage architectural du projet procure un contraste harmonieux, sobre et contemporain, face au site moyenâgeux et à la forêt environnante.
Casemates « um Bock »
kaell architecte
Fotos: Bohumil Kosthoryz

La silhouette du rocher du Bock est omniprésente dans l’iconographie récente et ancienne de la Ville de Luxembourg. Les casemates du Bock sont l’un des sites historiques les plus visités au centre de la vieille ville. Mais depuis sa revalorisation pour les fêtes du millénaire de la ville de Luxembourg en 1963, le site n’avait pratiquement plus évolué en ce qui concerne l’éclairage et les normes de sécurité.

En 2003, le Service des sites et monuments nationaux avait chargé le bureau d’ingénieur technique Jean Schmit d’évaluer l’état des installations techniques des casemates du Bock. Dans ce contexte, le bureau kaell architecte a reçu pour commande la sécurisation de l’extérieur du rocher du Bock, une mise en conformité de l’intérieur des casemates et une revalorisation du parcours intérieur.

Sécurisation d‘un lieu ouvert au public veut dire repérage, éclairage, rajout de mains-courantes, garde-corps, issues de secours combinés avec une technique poussée.

Les garde-corps sur la plateforme panoramique, et le système de main-courante, associé à un éclairage LED à l’intérieur des souterrains du Bock, les garde-corps des meurtrières ont été exécutés dans le souci d’une présence discrète et fonctionnelle. Il s’agissait également de réduire les coûts de maintenance à un minimum. Cette intervention a permis d’améliorer l’accessibilité du site pour les visiteurs, notamment auprès des anciennes meurtrières qui sont aujourd’hui des ouvertures permettant des vues uniques sur les vallées de la ville.

La recherche formelle des modèles développés par Claudine Kaell implique une intégration harmonieuse des garde-corps aux restes des fondations d’une architecture militaire disparue depuis plus de 140 ans. Le dédale des salles et des galeries souterraines du Bock a été soumis à un décryptage discret mais utile, tout en gardant l’aspect original des caractéristiques du site.

Les structures en acier de la galerie principale servent de repère pour structurer le parcours, de support pour l’éclairage et de main-courante pour le sol du rocher souvent humide et glissant. Leur forme suit en trois dimensions le relief de la roche.